Radtour  mit  Hindernissen
Mixed
- Gruppe “fährt den TuS-Klassiker”

Wer einmal eine Reise tut, ja der kann was erzählen! So mussten es auch die 7 Aufrechten der Mixed-Gruppe von Christa Bartusch empfunden haben. Sie hatten sich  erwartungsfroh zur Radtour verabredet und  am Ende viel Spaßiges erlebt.

Doch man hätte den Spaß noch mehr als nur 3 Radlerinnen gegönnt. Wo waren die anderen nur? Immerhin war auf die Männer Verlass! In der Gymnastikstunde weit in der Unterzahl, bildeten sie die überdimensionale Eskorte der Radlergemeinschaft. Ziel war der inzwischen in TuS-Kreisen beliebte Tour-Klassiker über Zollenspieker,  Hopte,  Geesthacht und zurück nach Dassendorf. Immerhin ca. 45km. 45km, was ist das schon, mochte der eine oder andere gedacht haben, als es zunächst bei herrlichstem Sonnenschein wie auf einem motorgetriebenen Drahtesel voranging. Runter nach Kröppelshagen, dann weiter runter nach Escheburg in das Elbtal.

Die erste verordnete Pause kurz nach Altengamme schien bei dieser “Omaparty” ein Hohn zu sein. Aber Christa hatte ihren Grund für das Verschnaufen. Wenn uns denn die Tour noch nicht genügend einheizen konnte, sollten es jedenfalls ihre “Durchwärmer” tun. Rassigen Perlsekt hatte sie mitgeschleppt. Hm, wie der prickelte. Wie der durch die Kehle rann. Prost!  “Ja, Christa, einen Zweiten könnte ich noch”, flehte Hans-Jürgen artig. “Ja, wenn du hast auch ’n Dritten!”, frotzelte Rainer. So angeregt, schmiss Gisela letztlich noch ihre Gummibärchen auf den Markt. Christa überraschte uns nochmals und überschüttete uns mit Knuspergebäck. Das schweißt zusammen.

Ohne Probleme erreichten wir so gestärkt die Elbfähre  und  schipperten  nach Hopte. Kaum hatten wir die erste Rast verdaut, mussten wir  in Hopte die zweite über uns ergehen lassen. Ziel war die zugegebenermaßen  gemütliche  Fischerhütte. Wir machten uns über die äußerst leckeren Speisen her. Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, gab man sich weise. So mancher mag dabei an die vor uns liegende “zweite Halbzeit” und natürlich an die Gymnastikstunde am Donnerstag gedacht haben. Hier würde bestimmt wieder alles gerichtet und ins Lot gebracht werden. Was war also einfacher  als uns für die anstehende Völlerei einen Freibrief zu erteilen. Auch der abschließende 45%ige, zu dem wir uns am Thresen  einfanden, sollte seine Wirkung nicht verfehlen.

Etwas schwerfällig machten wir uns dann auf den zweiten Teil der “Reise”. Sie sollte eine Reise mit Hindernissen werden. Zunächst glaubten wir an einen Aprilscherz, als Ulrich plötzlich stoppte und sagte “es geht nicht mehr”! War es etwa die Völlerei in Hopte oder glaubte er in Stove, dort waren wir inzwischen angelangt, fände das allseits bekannte  Pferderennen  statt, er  wollte  jedenfalls nicht mehr und stieg vom Rad. Ein Blick auf den Reifen seines Hinterrades verriet des Rätsels Lösung. Der war platt. Auch wir waren platt, denn der Mantel befand sich kurz vor der Auflösung. Bei dem Zustand hätte selbst der TÜV sein hartnäckiges Veto eingelegt. Wieso aber hatte der Reifen nicht schon viel früher seine Dienste versagt!? Egal, was war jetzt zu tun? Ulrich beruhigte uns. “Fahrt weiter, ich gehe zu Fuß, macht euch keine Sorgen”, strahlte er Gelassenheit aus. Wie denn, zu Fuß? Das waren ja mindestens noch 15km! Wir versprachen, seine Frau anzurufen und überließen ihn dann wunschgemäß dem lieben Gott.

Allein, bei einem Stopp auf dem Deich, kurz vor der Geesthachter Brücke, hielten wir nochmals besorgt inne.Was war das? Da kam ein einsamer, traurig dreinschauender Wanderer den Deich entlang. Sah aus wie Ulrich, war er aber nicht, er hatte ja kein Fahrrad. Oder etwa doch...? Sollte Ulrich am Ende sein nicht mehr ganz junges Zweirad aus Frust in die Elbe gepfeffert haben? Nein, nein, er war es wirklich nicht. Es blieb beim einsamen fremden Wanderer! “Ach”, sagte Gisela. In diesem Ach lag ehrliches  Mitleid. Sie bot ihm folgerichtig einen  Gummibären aus ihrer Sammlung an. Der sollte die traurige Einsamkeit beenden. Der Ärmste wollte aber gar kein Mitleid und vernaschte den Bären. Er bedankte sich artig und setzte leise grinsend seinen Weg fort. “Kann man nichts machen”, trösteten wir Gisela.

“Ja, ja”, schlussfolgerte dann Hans-Jürgen auf der Weiterfahrt, “Einsamkeit habe ich bei der Marine auch zuhauf erlebt”. Als er so ganz  in Gedanken versunken wohl so manches Seemanöver noch einmal durchlebte, wars auch um ihn geschehen. Er crashte mit einer wartenden Radlerin. Gott  sei Dank, die  Glücksgöttin hatte ein Einsehen mit dem “Verkehrsraudi”. Alles blieb heil!

Ärger und Unannehmlichkeiten konnten wir auch gar nicht mehr gebrauchen, denn nun stand uns noch der letzte und beschwerlichste Teil   unserer   Radlertour  bevor.  Den   Geesthang hoch und dann nach Hohenhorn. Immer bergauf. Es wurde auffallend still in der Radlertruppe. War nichts mehr mit Omaparty! Am Ende war es aber geschafft. Glückselig fielen wir uns beim Abschied in die Arme. Einig waren wir uns: “Das muss wiederholt werden”!

Ach ja, und was wurde eigentlich aus Ulrich? Nachdem  er  noch  an  der  Geesthachter  Elbbrücke seelenruhig ein paar Pfund Spargel erstand, sammelte ihn seine Frau mit dem Auto auf und transportierte ihn mit samt seinem üblen Störenfried wieder gen Heimat.

 

Durch  den   Sachsenwald
Radlerinnen auf “glitschigem Parkett

Auch die anderen Gymnastikgruppen machten eine Radtour. So viel Glück mit dem Wetter wie die Mixed-Gruppe hatten sie allerdings nicht. Man musste lange Hosen anziehen, und die Regenjacken lagen griffbereit im Gepäck.

Wohl auch aus diesem Grunde blieb es  bei einer kleinen Gruppe von 11 fitten Frauen. Forsch und unerschrocken wie wir sie alle kennen übernahm Wiltrud Klußmann die Führung durch den feuchten Sachsenwald. Noch hatten wir uns nicht warmgestrampelt, als wir auch schon wieder von den Rädern runter mussten. Schieben durch tiefen Boden war angesagt, wovon uns “aber nur ein kurzes Stück” in Aussicht gestellt wurde.

Bald durften wir auch tatsächlich wieder in die Pedale treten. So ging es im Zickzack durch den Wald. Sollte dieser Weg wirklich zur Grander Mühle führen?? Eine Verschnaufpause an einem kleinen idyllischen Billestrand sollte uns erstmal bei Laune halten. Sekt wurde entkorkt, allerlei  Knabberkram machte die Runde. Aha, dafür all die Körbe!

Um die Mittagszeit kam tatsächlich die Grander Mühle in Sicht und damit auch die Sonne, die uns erlaubte, die Wartezeit bis zum Essen draußen auf dem Hofplatz zu genießen. Später scharten wir uns um den großen Familientisch im urigen Mühlenraum und ließen uns manch gutes Essen schmecken. Vor dem Start zurück überraschte Christa jede von uns mit einer Flasche Apfelkorn, Mini, versteht sich. Eigentlich war die Stimmung auch so schon locker, aber kann ja nicht schaden. Und wenn wir geahnt hätten, was uns noch bevorstand, hätten wir gleich Nachschlag verlangt.

Nachdem wir beim Reiterdenkmal in Friedrichsruh noch eine ausgiebige Kaffeepause mit herrlichem Quarkzopf aus Reginas Küche eingelegt hatten, gab es die Wahl zwischen drei Rückwegen. Na, so einfach neben der Straße fahren wollte keine - wie langweilig! Wir suchten uns eine wahrlich interessante Variante aus mit vermeintlich nur einer kurzen Schiebestrecke. Na ja, wenn’s weiter nichts ist - das machen wir doch mit links........

An Radfahren war nicht zu denken. Das war nun wirklich nicht toll, das Waten durch tiefen Morast in diesem dunklen Waldstück. Kein Ende in Sicht! Hatten wir vorher nicht mal Sonnenbrillen getragen? Kaum zu glauben. Als wir endlich aus dem Wald heraus waren, mussten  wir  uns  noch  mit Regenjacken vermummen. Ein “schöner” Landregen - besser wäre ein richtiger Wolkenbruch gewesen, der die schlammigen Drahtesel saubergeduscht hätte. Dafür musste später der heimische Gartenschlauch her.

Von Freude über den schönen Sachsenwald bis zum Fluchen über das Geschiebe durch den Matsch war alles dabei an diesem Tag. Ich denke, die Freude überwog.


Verantwortlich U. G.